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Daniels bericht aus San José, Costa Rica

Daniel ist zurzeit als Freiwilligendienstler im AFS-Büro San José.

 
San José, die Hauptstadt von Costa Rica, hat ein sehr eigenes Stadtbild, aus dem ich immer wieder froh bin zu entfliehen. In der Stadt gibt es im Vergleich zu z.B. Panama Stadt fast keine Hochhaeuser; das hoechste Gebaeude hat ca. 20 Stockwerke. Dreck und Staub gibt es dafuer doppelt so viel, und leider auch viele unheimliche Gestalten, die in den Ecken hocken und auf eine guenstige Gelegenheit warten. Kulturell hat San José nicht alzu viel zu bieten - es gibt ein historisches Theater, ein paar Kirchen, die Hauptshoppingstrasse und ein paar Museen. Das interessanteste sind allerdings die Leute, die waehrend der Mittagszeit im Zentralmarkt einkaufen gehen, oder einfach nur ueber den "Platz der Kulturen" schlendern. Nachts sollte man sich nicht mehr draussen aufhalten. Aus diesem Grund kann ich die Nachrichten hier auch schon nicht mehr sehen - 10 von 15 Minuten werden ueber Diebstaehle, Einbrueche und sonstiges berichtet. Erschreckend ist auch der Rassismus zwischen Nicaraguanern und Ticos (Costa Ricaner). Generell wird die hohe Kriminalitaetsrate im Land auf die "Nicas" geschoben. Dabei wird gerne uebersehen, dass das die Landwirtschaft von eben diesen abhaengig ist. Auf Kaffee- und Zuckerrohrplantagen arbeiten fast nur Nicaraguaner, einige Kolumbianer und Panameños, da sich fuer diese Arbeit die Ticos, wie sie selbst sagen, zu "fein" sind.
 
Aber es gibt auch schoene Seiten von Costa Rica: Sobald man aus der Stadt herausfaehrt, eroeffnet sich einem eine atemberaubende Landschaft, die sich durch Vielfalt in Farben und Arten auszeichnet. So faehrt man z.B. auf der 2 stuendigen Fahrt nach Puntarenas (der Pazifikhafen) durch Kaffeeplantagen, trockene Wiesen und dichten tropischen Regenwald. Ueber die Berge, die San José und die zentrale Tiefebene einschliessen, kann man weit bis ins Tal, und manchmal bis zum Ozean schauen. Einmal an der Karibik oder am Pazifik angekommen, eroeffnen sich einem himmlische Straende, an denen man wortwoertlich alleine ist. Achja, die Holpertour mit Gelaendewagen gehoert noch davor! Von Schnorcheln um Korallenriffe, die direkt mit dem Wasser am weissen Sandstrand anfangen, bis zum faulen Sonnen im Schatten von Palmen kann man sich nichts besseres vorstellen.
 
Am Abend folgt dann noch ein Stueckchen Kultur. Bei guter Stimmung laden verschiedene Sodas oder Restaurantes zu Ceviche (Zitronensuppe mit rohem Fisch und Zwiebeln), Casados (Reis, Bohnen, Stueck Fleisch oder Fisch, Platananos maduros (suesse, angebratene Kochbananen) und Salat), Arroz con Pollo (Reis mit Huenchen) oder Gallo Pinto (traditionelles Reis- und Bohnengericht) ein. Dazu gibt es ein eisgekuehltes Imperial (das Costa Ricanische Bier), oder chilenischen Rotwein.
 
Als Mittagssnack werden am Strassenrand eine Vielfalt von Fruechten zum Spottpreis angeboten. Wir haben einmal fuer 5 Dollar vier Mangos, drei Pipas (gruene Kokusnuesse, die man mit einem Strohalm austrinkt), eine Ananas, eine Netzmelone sowie eine Wassermelone gekauft.
 
Jetzt noch ein Wort zu den Ticos. Die Costa Ricaner sind ein sehr aufgeschlossenes, nettes und interessiertes Volk. Man findet kaum jemanden auf der Strasse, der einem nicht beim Orientieren helfen wuerde, oder Taxifahrer, die nicht interessiert fragen, wo man denn her komme, und was man hier tue. Obwohl das Land von gesellschaftlichen Gegensaetzen nur so strotzt, ist es sehr interessant zu sehen, wie sehr die Ticos die selbigen doch zu vertuschen suchen. So gibt es z.B. neben dem "normalen" lateinamerikanischen Spanisch noch viele spezielle Costa Ricanische Woerter. Zu casa wird im "Ticoslang" choza gesagt, trabajo ist brete, comer ist manchar und der typischte Ausdruck fuer Alles ist Pura Vida. Diese haeufig als Strassensprache bezeichneten Woerter kennt jedoch jeder Tico, der etwas auf sich haellt. So redet mein Chef im Buero zwar offizielles Spanisch, informell benutzt er jedoch genauso jene speziellen Woerter.
 
In der Sprache aeussert sich auch der Nationalstolz. Die Costa Ricaner sind ein sehr stolzes Volk. Stolz nicht nur darauf, dass sie das einzige Land Lateinamerikas ohne Militaer sind, als eines der wenigsten Lateinamerikanischen Laender ein Sozialversicherungssystem und eine bedeutende Mittelschicht haben und dazu noch das "s" richtig aussprechen. Die Nationalflagge, das faellt mir als Deutscher natuerlich besonders auf, wird bei jeder Gelegenheit gehisst, es gibt Unmengen von Geschichten, Sagen und Braeuchen und der Nationalfeiertag wird mit grossen Umzuegen und Vorfuehrungen von Schulen und Universitaeten in typischen Gewaendern gefeiert. Das Land ist trotz seines Kriminalitaetsproblem eines der fortschrittlichsten Mittelamerikas. Der Tourismus steckt in den meissten Nachbarlaendern noch in den Kinderschuhen, waehrend er in Costa Rica bereits die Haupteinnahmequelle ausmacht.
 
Wie du siehst - man koennte ewig weiter erzaehlen... Aber waehrend der Arbeitszeit muss man ja schliesslich auch mal arbeiten! Also Alles Gute!!
 
Daniel

Eine Awayee-Mutter berichtet

Die ersten drei Wochen...
Von Hamburg nach North Clarendon, VT 


1. September 2006 12.00 Uhr:
Heute vor drei Wochen saß ich um diese Zeit auf dem Sofa und heulte die ganze Anspannung der letzten Monate aus mir heraus. Unser Sohn Janko war am um sechs Uhr morgens von Hamburg aus in sein Abenteuer "Austauschjahr mit afs" gestartet.
Wir waren um drei Uhr morgens aufgestanden, um vier Uhr mit der Familie am Flughafen ... alle hatten leicht angespannte Gesichter: Jetzt geht es wirklich los ... Die große Reise in ein fernes Land ... Zu einer anderen Familie, vielen Erfahrungen, Fettnäpfchen und einem weiteren Schritt  zum wachsen und sich etwas zutrauen.

Auf diesen Tag hatten wir alle lange hingearbeitet: Anträge ausgefüllt, Arzttermine, Impftermine, Bescheinigungen, Visa-Späßchen, Kostenplanungen, Beurteilungen ...
Wir hatten ab Februar ein Flip-Chart im Flur hängen wo die "To do's" mit Datum und Zuständigkeiten aufgeschrieben waren ... und das abhaken war immer ein sehr gutes Gefühl!

Beim afs-Elternabend waren wir die einzigen Eltern dessen Kind kein Festplatz hatte ... das Losverfahren: Pech gehabt! Trotzdem: Visa beantragen in Berlin, Impfungen anfangen. Und das Warten ... auf einen Festplatz, auf die Gastfamilie und überhaupt: wohin geht die Reise? Die Wunschländer hatten nicht geklappt; die Entscheidung war dann auf die USA gefallen. Aber wird es da mit einem Festplatz klappen?
Für Janko waren die afs-Wochenenden eine hilfreiche Vorbereitung. Jedes Mal kam er sehr beschwingt und mit neuen, guten Erlebnissen wieder. Der Rest der Familie wurde immer ungeduldiger ... bis die Nachricht kam: ja "WIR" haben einen Festplatz irgendwo in den USA !!! Wir feierten mit Hamburger, Coke und baked Potatos ...

Jetzt kam die nächste Runde nach dem Ländervorbereitungstreffen: Kreditkarte besorgen, warten auf die Gastfamilie, Abschiedsfest vorbereiten, "Habt Ihr schon die Gastfamilie?", "Hoffentlich nicht nach Texas ... ach Hauptsache die family ist nett ..." Gastgeschenke kaufen, warten auf die Gastfamilie ...

Und dann kam die Nachricht: Eine Gastfamilie in Vermont ... !
Der erste Kontakt am Telefon war klasse ... der Gastvater und Janko hatten gleich einen guten Draht, es kam die erste E-Mail mit Fotos von den Eltern, Geschwistern und Hunden ... eine große Erleichterung!

Und auf einmal nur noch drei Wochen bis zum Abflug, zwei Wochen bis zum Abschiedsfest ... ein flaues Gefühl bei uns allen. Langsames Abschiednehmen. Koffer Probepacken.

Sein Zimmer hatte Janko schon vorher entrümpelt und viele Dinge auf dem Flohmarkt verkauft: "Wenn ich wiederkomme brauche ich das nicht mehr ..."
Mit allen zusammen das Abschiedsfest feiern. Tief durchatmen: noch eine Woche ... übermorgen ... wer kommt alles Morgens um vier mit zum Flughafen? In die Arme nehmen ... und los geht?s ...

Die ersten Tage waren schon eigenartig ... es war so ruhig auf einmal.

Am Sonntagmorgen um sechs der Anruf von Janko: "Hi,  wollt? nur sagen ich bin gut angekommen alles ist prima, mir geht es gut...!"
"Wie schön! Janko, wo bist Du denn grade??"
"Na, zu Hause natürlich...!!"
Was für eine tolle Aussage ... jetzt konnten wir uns alle entspannt lächelnd zurücklehnen.
Britta Findorff