JAPAN

Christiana 2006

Japan, das Land der Gegensaetze eine zweite Heimat?

 

Erschoepft, gluecklich und nach schlaflosen 33,5 Stunden erreichte ich, wie so viele andere Austauschschueler, Osaka. Eine 3-taegige Orientation sollte uns allen helfen die wichtigsten Dinge des japanischen Alltags ohne groessere Katastrophen zu meistern.

 

Waehrend viele Austauschschueler nach dieser Orientation noch mit dem Zug zu ihren Gaststaedten fahren mussten, hatte ich das Glueck von meiner Gastfamilie abgeholt zu werden. Die Wartezeit nutzte man um sein in eigenes Chapter naeher kennen zu lernen. Stacey(Singapur) Julian (Australien) , Sakusiri( Thailand ) und ich bilden das Osaka-Higashi-Chapter (Osaka-Ost-Chapter) (Leider musste Julian schon vorzeitig wegen seiner Schule zurueck nach Australien fahren.).

 

Die Gastfamilie nun wirklich zu treffen war fantastisch. Hatte ich doch gedacht, Japaner waeren eher kuehl, so war der Empfang von einer solchen Herzlichkeit, dass mir noch am gleichen Abend bewusst wurde, wie sehr ich diese Familie lieben wuerde.

 

In den ersten 2 Wochen, wo in Osaka noch Schulferien waren, gab es viel Altes fuer mich neu zu lernen. In einem Land , wo man zuerst kaum ein Wort versteht, werden die alltaeglichsten Dinge zu kleinen Abenteuern. Ein gutes Beispiel ist der taegliche Schulweg.

 

Meine Schule liegt direkt in Osaka . Das Haus meiner Gastfamilie allerdins in Kashiba, einem kleinen Ort 20 km suedoestlich von Osaka . Was einen 75 Minuten langen Schulweg mit sich bringt.  Vielen werden sich jetzt sagen: Gut, da muss man etwas frueh aufstehen, aber wo genau liegt jetzt das Problem?

 

Die Zuege in Japan sind teilweise so voll, dass es fast schon ein Wunder ist, dass die Tueren noch zugehen, Man kann es sich nicht vorstellen, wenn man es nicht gesehen hat.  Genauso wie das U-Bahn Netz in Osaka . Die Stationen sind teilweise 3-stoeckig und den richtigen Zug zu bekommen ist in der ersten Zeit schon fast ein Wunder. Noch dazu hat Japan Linksverkehr. Diese Tatsache hat mich schon in einige Schockmomente versetzt, fuer meine Familie war es eher amuesant?

 

Der erste Schultag  bedeutete fuer mich sehr viel. Ich konnte das erste Mal meine Schuluniform anziehen. Schon in Deutschland hatte ich mich auf diesen Moment gefreut. Das einzige was mir Sorgen bereitete war, dass ich mich selbst auf Japanisch vorstellen sollte. Vor der gesamten Lehrerschaft, meiner Klasse und schliesslich auch vor saemtlichen Schuelern der Shoin-High School. Es war schon beeindruckend, wie lautstark 1096 Maedchen jubelten, als ich eher schlecht, als recht, meinen Namen, mein Alter und das Land woher ich komme, auf Japansich sagte.

 

Das Japanische Schulsystem hat mich sehr ueberrascht. Gleich an meinem ersten Tag, haben im Fach ,,Japanische Geschichte" 5 Schueler einfach geschlafen. Den Lehrer hat es nicht weiter gestoert und er fuehrte seinen Frontalunterricht einfach fort. Ich wuerde gerne einmal die Reaktion eines deutschen Lehrers sehen, wenn es ein Schueler wagen wuerde im Unterricht zu schlafen.

 

Nach der Schule haben fast alle Schuler an der Schule eine Clubaktivitaet. Ich war regelrecht ueberwaeltigt von der Anzahl und der Vielfalt der Clubs. Ganz gleich welchen man auch waehlt, jeder gibt sich (wortwoertlich) die groesste Muehe so gut wie moeglich zu sein.

 

Ich habe mich schliesslich fuer den traditionellsten und gleichzeitig auch haertesten Club meiner Schule entschieden: Baton Twirling. Dieser Club beinhaltet sowohl das eigentliche Baton Twirling, als auch eine Art Cheerleading, die einfach dazu gehoert. Normalerweise macht man im ersten Jahr nur diese ganz spezielle Art des Cheerleadings und steigt erst spaeter auf das eigentliche Baton Twirling um. Als Austauschschueler durfte ich jedoch schon jetzt damit anfangen und sogar an einem richtigen Baton Twirling Wettkampf teilnehmen, natuerlich im Anfangslevel. Dank taeglichem, mehrstuendigen Training und der aussergewoehnlichen Hilfe der aelteren und auch der juengeren Schueler, habe ich sogar gewonnen.

 

Als Austauschschueler ist man eine kleine Beruehmtheit und jede meiner Handlungen werden gleich verbreitet. Ein Beispiel: Eine Regel meines Clubs ist das Benutzungsverbot der Fahrstuehle. Kaum war bekannt, dass ich immer die Treppe benutze, wurde es zur ,,Austauschschueler-Fanclub-Regel".

 

Nun wo ich gerade diese Zeilen verfasse sind es nur noch  6,5 Monate, die ich in Japan sein kann und ich habe kaum bemerkt, dass ich schon 4 Monate hier lebe, An meiner Schule sind schon Sommerferien, doch mein Club trainiert jeden Tag 8 Stunden um den grossen Kansai-Baton Twirling Wettbewerb zu gewinnen. (Bei diesem Wettkampf bin ich allerdings im Cheerleaderteam) Trotz schwuelen 35 Grad Celsius liebe ich diesen Sport und noch viel mehr dieses faszinierende Land.

 

Japan, das Land der Gegensaetze ist fuer mich wirklich zun einer zweiten Heimat geworden!

 

Ich moechte mich noch bei der ZEIT-Stiftung, Ebelin und Gerd Buecerius, bedanken, die mir mit ihrer finanziellen Unterztuetzung diese Erlebnisse erst moeglich gemacht haben.

 

Christiana  (Japan 2006/2007)

Wiebke 2005

Maria 2004