CHINA

Maren 06/07
Besuch bei unserer Partnerschule in Anhui
Heute bin ich von meiner 5-tägigen Reise nach Anhui zurückgekommen und wie erwartet war das wirklich sehr, sehr beeindruckend für mich und ich bin wirklich froh, das erlebt haben zu dürfen.
Erst einmal, Anhui ist eine der ärmsten Provinzen in China in der Nähe von Shanghai. Dort hat unsere Schule in einem kleinen Dorf in den Bergen eine Partnerschule, die sie finanziell unterstützt und alle zwei Jahre besucht.
Am Sonntag sind also 28 Schüler, einschließlich uns drei Austauschschülern, im Bus nach Anhui aufgebrochen. Im Bus haben wir dann auch fast den ganzen Tag verbracht, geschlafen haben wir in einem Hotel, was man sich allerdings nicht ganz so gut vorstellen sollte.
Am nächsten Tag sind wir zu einem wunderschönen See, umgeben von Bergen, gefahren. Ich hab mich wirklich gefreut auch mal ein Stück Natur in China zu sehen. Es sah aus wie man sich eben chinesische Landschaften vorstellt oder von Fotografien kennt.
Anschließend sind wir mit dem Bus 3 Stunden durch die Berge zu dem kleinem Dorf gefahren. Obwohl wir fast jeden Morgen um halb sechs aufgestanden sind, konnte ich nicht wirklich im Bus schlafen, weil man eigentlich ununterbrochen auf seinem Sitz nur hin und her gehopst ist, da die Strasse ausschließlich aus holprigen Kurven bestand. Die Strasse war teilweise so schlecht, dass wir aussteigen mussten und auf dem Rückweg mussten wir Löscharbeit leisten, weil der Bus einfach zu oft bremsen musste, sodass die Räder zu qualmen angefangen haben.
Als wir angekommen waren, wurden wir von der gesamten Schule empfangen, das hatte ich wirklich nicht erwartet. Alle Schüler der Mittelschule, also vor allem Kinder, hatten sich zu einer endlos langen Gasse aufgestellt mit Fahnen, Trommeln und Feuerwerk.
Die Kinder waren alle so aufgeregt, ich im Übrigen auch, und als sie uns drei Ausländer entdeckt haben waren sie total aus dem Häuschen, haben aufgeregt auf ihre Eltern eingeredet und auf uns gezeigt.
Die nächste Nacht haben wir jeweils zu zweit in Familien verbracht und erst wenn man die Häuser von innen sieht kann man sich ansatzweise vorstellen was es heißt, hier zu leben. So was hatte ich bisher nur in Geschichtsmuseen gesehen. Miniaturmöbel im Hauptzimmer, zwei Betten für 5 oder mehr Personen im Schlafzimmer und natürlich weder fließend Wasser noch Badezimmer. Es gab lediglich ein kleines `Häuschen` vor dem Haus mit Loch in der Erde und auch ohne Tür. Die Menschen hier leben mit so extrem wenig Geld, Lebensmittel bauen sie selbst an, Fleisch essen sie so gut wie nie. Deshalb hab ich mich auch entsprechend schlecht gefühlt, als die Familie dann für uns ein riesiges Mal mit ganz viel Fleisch gekocht hatte.
Später waren wir noch ein bisschen in den Bergen und auch wenn hier in Shanghai alle Menschen sagen Anhui wäre nicht schön, nur weil es arm ist, das war schön!
Dienstag haben wir die Kinder in der Schule besucht und die waren wirklich so froh, dass wir da waren. Wir haben sie ein paar Sachen unterrichtet, Spiele gespielt, ich hatte mit ihnen englisch geredet. Später wollte dann ein kleines Mädchen ein Autogramm von mir und auf einmal wurde ich regelrecht zerquetscht von den Kindern, die mir alle ihre Hefte entgegen drückten. Also musste ich die nächsten 20 Minuten erstmal Autogramme geben, danach folgten Fotos. Alle wollten ein Foto mit uns haben, obwohl wir die einzigen mit Kamera waren.
Abends gab es eine Show, zu der fast das ganze Dorf kam. Die Leute von meiner Schule haben einige Sachen vorgeführt, aber es haben auch viele von den kleinen Kindern gesungen und getanzt. das war so unglaublich süss!
Am letzten Tag haben wir noch den letzten Wald im Osten Chinas besichtigt (ja, alle andern sind weggefällt) bevor wir heute 11 Stunden mit dem Bus zurückgefahren sind.
Auch wenn ich mich in den letzten Tagen zwischendurch mal zurück nach Shanghai gesehnt habe, fand ich doch, dass es in Anhui nicht nur interessant war und wirklich mal eine andere, wahrscheinlich häufigere Seite von China ist, die ich zu Gesicht bekommen habe, sondern dass es auch wirklich schön war, wenn man die ganzen Kinder um sich herum gesehen hat, die sich so gefreut haben, dass wir sie besucht haben.
Viele Grüße, Maren (Shanghai 06/07)
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Hallo,
ich hab heut mal die Zeit gefunden einige meiner Eindruecke in einen Text zu stecken. Bei mir ist alles super, ich hab eine total liebe Gastfamilie, total coole Gastschwestern und bis auf dass ich im Moment noch zu wenig chinesisch spreche laeuft alles super.
In zwei Wochen hab ich Ferien und werd da mit meiner schule ein paar tage wegfahren.
ganz liebe gruesse aus shanghai
Maren
Shanghai, eine Stadt voll von Überraschungen
Um zu erfahren warum die Strassen in Shanghai überall nur voll von Menschen sind, reicht es aus nur einmal nach Shanghai rein zu fahren. Wohin man schaut, zu welcher Seite man sich auch dreht, man ist ausschließlich umgeben von Hochhäusern. Ich glaube, man könnte stundenlang in eine Richtung gehen, man würde trotzdem nicht raus aus der Hochhauslandschaft kommen. Shanghai ist einfach unbeschreiblich riesig.
Genauso wie meine Schule hier. Meine deutsche Schule ist einfach nichts zu meiner High School hier. Neben unzähligen fachspezifischen Gebäuden und denen für Lehrer, Schüler, jede Stufe hat 14 Klassen, und was es sonst noch alles gibt, findet man hier auch mehrere Supermärkte, Speisesäle und ein Wohnheim. Sobald man aber erstmal einige Zeit hier ist und erkannt hat was für eine wichtige Rolle die Schule hier spielt ist man froh so eine große Schule zu haben. Schule ist hier nämlich 7.20 Uhr bis 16.20 Uhr oder noch länger und das nicht selten auch am Samstag oder Sonntag. Die meiste Zeit, die die Schüler dann noch zu Hause verbringen können, sofern sie nicht in der Schule wohnen, verbringen sie mit Lernen und Hausaufgaben.
Eins sollte man aufgeben, wenn man nach Shanghai kommt und dort überleben will: nämlich das Rücksicht nehmen auf andere. So etwas wie sich entschuldigen kennen die Menschen in Shanghai gar nicht, die denken nur an sich. Ob es jetzt beim U-Bahn fahren, wo man beim Einsteigen von den hinter einem wartenden Leuten wirklich durch die Tür gepresst und dann fast umgerannt wird, weil alle versuchen sich einen Sitzplatz zu ergattern, oder bei dem Versuch unverletzt eine Strasse zu überqueren ist, wo jeder, ob Fahrrad- oder Autofahrer, als erstes die Kreuzung ohne Rücksicht auf Verluste, überquert haben will.
Die beste Methode, um sich hier möglichst schnell den Gewohnheiten anzupassen ist, die deutschen Manieren erstmal zu vergessen und das als erstes am Esstisch. Einen eigenen Teller hat man hier gar nicht, jeder ist von jedem Teller. Nur einen kleinen Teller, auf den der Abfall kommt, hat man vor sich stehen. Denn Knochen, Kerne und Schalen werden hier nicht vor dem Kochen, sondern beim Essen im Mund entfernt. Die Chinesen sind wahre Künstler darin, im Mund das Essbare vom Unessbarem zu trennen. Meine Schwester nimmt einen kompletten Scampi in den Mund und ein paar Sekunden später kommt das ganze Ding wieder raus, nur das das Fleisch nicht mehr drinnen ist.
Meine Familie ist super nett und ich versteh mich total gut mit ihnen. Mit meinen beiden Schwestern gibt es ununterbrochen Grund zum Lachen, weil wir die ganze Zeit irgendwelchen Quatsch machen. Sie sind typisch chinesische Mädchen. Gehen gern shoppen, lieben Karaoke und hören nur amerikanische Pop-Musik oder chinesische Schnulzen. Von denen wird man hier überall verfolgt. Chinesische Schnulzen, wo hin man auch geht, ob in der Shoppingmall oder im Restaurant. Wenn ich mit meiner Familie im Auto sitze wird nur `Love radio` gehört. Ich kann?s schon jetzt, nach nur vier Wochen nur noch schwer ertragen. Und das Fernsehprogramm ist ähnlich. Wenn man mal einen Fernsehsender findet, auf dem keine Superstar Casting Show läuft, kann man sich eine von zahlreichen tragischen Herz-Schmerz Soapoperas ansehen, zu denen GZSZ im Vergleich echt harmlos ist.
Das größte Hobby meiner Mutter hier ist, wie auch das vieler anderer Chinesinnen, Shoppen. Mein Vater, der die ganze Woche über in Hangzhou arbeitet, ist derjenige, der das Geld für die Familie verdient. Von dem geht meine Mutter gern und großzügig einkaufen während mein Vater selbst nur das Billigste vom Billigem kauft.
Zum billig Einkaufen ist China wirklich perfekt, egal ob Essen, Kleidung oder DVDs. Hier kann man einfach alles zu einfach wahnsinnig günstigem Preis runterhandeln. Das soll aber nicht heißen, dass es hier keine teuren Sachen zu kaufen gibt, im Gegenteil. In Shanghai findet man nicht wenige superteure europäische Marken und Geschäfte. Hier in Shanghai kann man echt alles finden, Shanghai ist eben international. Deshalb hatte es mich auch nach meiner Ankunft hier so verwundert, dass es hier trotzdem Unmengen an Leuten gibt, die einen anstarren, `hello` sagen oder ein Foto mit dir machen wollen.
Shanghai steckt eben voller Überraschungen!
Zhang Yiyin/ Maren, Shanghai 2006/2007


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