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ARGENTINIEN

Niklas 2007/08

 

Jana 2006/2007

Ihr Lieben !
Das erste Lebenszeichen aus Argentinien!  Mittlerweile bin ich ja nun schon ein paar Wochen auf diesem merkwuerdigen Kontinent und so richtig eingewoehnt bin ich noch nicht.


Aber erstmal von Anfang an, der Abschied am Flughafen war ein kleiner Schritt zur Realisierung, vielen Dank an alle, die da waren. Ich habe noch den ganzen weiteren Flug nach Frankfurt mit Weinen verbracht, aber in Frankfurt hatte ich mich dann beruhigt ;)  Der lange Flug war wirklich ziemlich anstrengend und mitm Schlafen sahs bei mir leider auch nicht so rosig aus, dementsprechend fertig kamen wir, nach einem Zwischenstopp in Sao Paulo, in Buenos Aires an. 

 So und nun stellt euch bitte folgende Situation vor: Ihr habt einen 16stuendigen Flug + Nacht hinter euch, wollt endlich nur noch ein richtiges Bett und dann erzaehlen mir die Leute von AfS doch tatsaechlich, ich werde die Strecke von Buenos Aires nach San Juan mitm Bus zuruecklegen !! Wem das nichts sagt, das sind 1.200 Kilometer. Als eine weitere Nacht ohne Bett, ich haette heulen koennen. 

Na ja wir sind dann erstmal mitm Bus zu unserem Camp gefahren und ich konnte leider nichts von Argentinien sehen, weil ich direkt im Bus eingeschlafen bin. Das Camp war eigentlich sehr cool, da waren alle Nationalitaeten vertreten. Unser Zimmer war total klasse und zwar war das ein riesiger Raum mit insgesamt 36 Betten! Insgesamt war es aber einfach nur kalt, es hat draussen gefroren und wir hatten keine Heizung! Ich hab noch nie in meinem Leben so eine kalte Nacht erlebt  (wir hatten naemlich exakt 2 duenne -wolldecken zur Verfuegung). Ich hab fast gar nicht geschlafen, weil ich so gefroren habe. Ich glaub, das war der erste Kulturschock.. Na, aber sonst war das Camp echt ganz witzig.


Wir haben dann noch ne Tour durch Buenos Aires gemacht und das hat mich ehrlich gesagt nur geschockt. Buenos Aires ist halt wirklich superarm und heruntergekommen und vor allem tierisch dreckig. Klar, ich wusste das alles auch vorher, aber es ist doch was anderes, die Slums mit eigenen Augen zu sehen. Oder Kleinkinder, die in Zelten auf Verkehrinseln leben, mit zerfilzten Haaren und zerissenen und dreckigen Klamotten, hoechstens 4 Jahre alt.   Ich fand Buenos Aires einfach nur schrecklich..


Dann mitm Bus nach San Juan, 14 Stunden im Bus. Aber ganz ehrlich, ich hab noch nie so einen geilen Bus gesehen!! Mit Fernseher und Stewardessen und Sitzen, die man in ein Bett umfunktionieren konnte. So richtig gut geschlafen haben wir trotzdem nicht.


So und dann endlich angekommen, wir wussten ja gar nicht, was uns erwartet.. Wir sind also voellig fertig ausm Bus ausgestiegen und dann standen auch schon unsere Familien da!  Ueberall wurde gerufen und geschrien und dann hatte ich auch endlich meine Familie gefunden. Alle standen sie da mit einer riesen Argentinienflagge mit raufgenaehten Buchstaben "Bienvenida Jana Lea"  und dann kamen sie auch schon alle an und haben mich in Arm genommen und gerufen und mich gekuesst und mir alles abgenommen und dann gings ab nach Media Agua. Ich hab alles nur noch im Traum erlebt, war ja auch noch ziemlich geraedert von den Tagen ohne Schlaf. Aber da kannte meine Familie nichts, die ganze Familie kam zu Besuch, um mich willkommen zu heissen, sie haben gesungen und es gab ordentlich essen, meine Gastschwester hat mich direkt rumgeschleppt und den meisten Freunden vorgestellt.


Am Montag sind wir dann nicht zur Schule, durften ausschlafen und da hatte ich dann direkt schon meine erste grosse Heimwehwelle. Dienstag war dann mein erster Tag in der Schule, ich wurde direkt der ganzen Schule vorgestellt (ihr glaubt nicht, wie die gestarrt haben, ich kann mich mittlerweile sehr gut in Zootiere hineinversetzen) und nachdem meine Gastmutter einiges ueber mich erzaehlt hatte, brach die ganze Schule in tosenden Jubel aus. Dann kam ich in meiner Klasse und dann hat wirklich die ganze Klasse angefangen ein Willkommenslied zu singen und ich wurde jedem einzelnen mit Kuesschen vorgestellt.


Also hier ist wirklich alles anders. Ich bin total aufm Dorf gelandet, wo nochmal ganz andere Verhaeltnisse als in der Stadt herrschen. Ist nochmal aermer, aber gleichzeitig herrscht auch nicht so starke Armut, es gibt keine Bettler etc. Man lernt mit der Zeit einfach den  Luxus zu schaetzen, Heizungen gibts hier nichts, jedes mal wenn die Klospuelung funktioniert freue ich mich und noch ein paar 1000 mehr Sachen, es wird einem schnell klar, wie verwoehnt wir deutschen sind ;)

Ich bin hier die absolut Attraktion, schon bevor ich ueberhaupt irgendjmd kannte, wurde mir "Ballack" auf der Strasse hinterhergerufen und sowas :)  ..das ist teilweise echt suess, die kennen hier alle die deutschen Fussballspieler und wenn man auf das Argentinien-Deutschland Spiel anspricht, wird mir immer sofort erzaehlt, wir haetten den Schiri bezahlt :D   Es gibt hier Jungs, die kennen sich mit der deutschen Bundesliga besser aus als ich (was zugegebenermassen ja nun auch nicht so schwierig ist, aber ist trotzdem faszinierend, wenn dir irgendwo in einem Kaff in den Anden von Borussia Dortmund erzaehlt wird).

Ich bin hier ausserdem blond und gross. Ja, ich bin hier wirklich blond und gross =) ..Hier haben ja alle nur schwarze Haare, ich falle einfach total auf, man sieht mir einfach an, dass ich nicht hier her gehoere. Um euch ungefaehr zu vermitteln, was ich fuer eine Attration bin, eine Anekdote, die das vllt zeigt. In der ersten Woche war ich hier in den Tagesnachrichten im Radio ! Kein Scheiss, die haben dann erzaehlt, woher ich bin, wie alt ich bin, wo ich wohne, was ich gerne mag etc. Meine Gastmutter wurde interviewt und hat erzaehlt, wie ich mich hier so mache etc.   

Es gibt hier Jungs, die machen wegen mir mit ihren Freundinnen Schluss, auch wenn sie noch nie ein Wort mit mir gewechselt haben (ob es sich um ernsthafte Beziehungen handelte, fragt sich)!!  Aber ich finds trotzdem sehr krass...  Und oft ist es einfach nur total anstrengend. Ich kann nirgendwo hingehen, ohne angestarrt zu werden, im Internetcafe stehen immer irgendwelche Jungs hinter mir (wie jetzt grade), die mich dauernd fotografieren wollen und so ne Sachen, in der Disco kommen sie auch immer mit den Handys an und wollen mich fotografieren, ob ich das nicht will, interessiert die absolut gar nicht.


Sonst gehts mir eigentlich im Moment wirklich sehr gut, klar hab ich dermassen heftige Stimmungsschwankungen, aber das ist wohl am Anfang einfach so. Auf jeden Fall habe ich tierisch Glueck mit meiner Gastfamilie gehabt und fuehl wohl bei denen. Meine Gastschwester kuemmert sich echt klasse und man ist hier einfach sofort Teil der Gemeinschaft. Man ist sowieso die ganze Zeit unterwegs, Schule und immer bei irgendwelchen Freunden Mate trinken. Ach ja und es spricht hier niemand englisch. Also in meinem Dorf kenne ich auf jeden fall niemanden und mit meinem spanisch .. Am Anfang habe ich natuerlich gar nichts verstanden, mittlerweile kann ich meistens erahnen worums geht. Aber es ist trotzdem eine krasse Erfahrung, gar nichts zu verstehen..


Es ist hier wirklich alles anders, ich kann das alles gar nicht aufzaehlen, wuerd euch gerne noch viel mehr erzaehlen, aber es ist einfach zu viel..  Ich hab hier kaum Zeit, ins Internetcafe (Internet gibts selbstverstaendlich nur im Internetcafe) zu gehen und auch sonst siehts hier schlecht aus mit dem Kontakt zur Aussenwelt. Ein Telefon zu besitzen ist in meinem Dorf Luxus. Ich war am Anfang also erstmal gar nicht erreichbar, aber da ich eine wirklich klasse Gastfamilie habe, wurde eins fuer mich gekauft und ein Anschluss angelegt. Die Nummer send ich wohl das naechste Mal...


Das mit dem Essen ist auch ziemlich krass, es gibt eigentlich nur Fleisch !  ...und ihr glaubt nicht, in welchen Mengen.. Im Moment ist ein Lamm in unserem Gefrierschrank, mit Kopf und Beinen,  nur halt ohne Fell und eingepackt. Mittlerweile haengt mir das Fleisch aber schon zum Hals raus, IMMER !!  Selbst zum Fruehstueck (wenns Fruehstueck gibt, ist eigentlich nie) wird Fleisch gebraten. Hab natuerlich in diesem einem Monat auch schon schoen zugenommen, obwohl ich mittlerweile relativ viel Sport mache, es gibt hier leider nicht so viele Moeglichkeiten. Ich spiele Hockey mit den anderen, aber das ist halt nicht vergleichbar, es gibt in meinem Dorf ein Sportplatz draussen, Asphalt, da werden alle Sportarten betrieben.  Und ich geh fast jeden Tag mit dem anderen Austauschschueler (Felix aus Belgien) joggen, ausserdem gehe ich hier ins Fitnessstudio. Hoert sich vielleicht viel an, ist aber irgendwie gar nicht so viel, habe mir vorgenommen, bald mit Volleyball hier anzufangen.


(...) So, das geilste hab ich mir mal zum Schluss aufgehoben :  Naechste Woche werde ich schon meine erste Reise starten!! 2 Wochen auf in den Sueden Argentiniens !  Patagonien, werden ein paar Tage in Bariloche verbringen (sucht mal Fotos raus, soo geil). Groesste Skizentrum Argentiniens, die "Schweiz" Argentiniens, einer der schoensten Orte Argentiniens. Und vor Allem, alle Abschlussfahrten der Schule gehen dahin, weil man da so gut feiern kann :):)  ..also einfach nur supergeil, wir werden mit 30 anderen Austauschschuelern aus der ganzen Welt reisen. Und ich werde Skifahren koennen !!!!!! Ausserdem fahren wir noch an einen Ort an die Atlantikkueste, der einzige Ort Suedmaerikas, wo man Wale gucken kann (Das Maedchen aus Alaska neben mir stoehnt nur auf, in Alaska sind die nicht so beliebt;))  und wir werden nach Chile rueberfahren!!!  ..Ich freu tierisch darauf... Wir werden zwar fast 2 Wochen nur im Bus hocken, aber das macht nichts :)


So, es ist ja wirklich schon sehr viel geworden, obwohl ich das Gefuehl hab, ich muesste euch noch viiel mehr erzaehlen. Aber das wird erstmal so belassen, ich zoegere das Schicken dieser Mail sonst nur weiterhin unnoetig raus ;)  Ich hab uebrigens auch schon mein erstes Erdbeben hinter mir, letzte Nacht.. War nur ein "Erdzittern" , d.h. es ist nichts kaputt gegangen, aber es war trotzdem etwas beaengstigend, als die Erde ploetzlich angefangen hat zu ruetteln.


Nun verbleibe ich einfach nur mal mit lieben Gruessen aus dem Land der Sonne (diese besch... Sonne scheint immer!!!!), ich hoffe euch gehts gut,  wo auch immer auf der Welt ihr grade seid
eure Jana

Johannes (Besuch seiner Gastfamilie nach 2 Jahren)

Hallo zusammen,

Nun sind schon 10 Tage vergangen, seitdem ich wieder in Buenos Aires, der Hauptstadt Argentiniens, in den Schoss meiner Gastfamilie zurueckgekehrt bin. Meine Ankunft fiel, ahenlich wie die vor 3 Jahren aus: Nebel, Kaelte, Dunstglocke, dazu der Geruch von Abgasen und unzaehligen Gasheizungen, Motorenlaerm und Gehupe von allen Seiten auf dem Weg vom Flughafen nach Buenos Aires.

Ueberraschend deutlich wurde bei jeder Begegnung konstatiert, wie sehr ich waehrend meiner Abwesenheit gewachsen sei, und ausserdem ¨la cara de nene¨( etwa Bubengesicht) abgelegt haette. Einen richtigen Kulturschock habe ich nicht erlebt, vielmehr habe ich mich gewundert (und tue das immer noch), wieviel Zeit seit meinem Abflug verstrichen ist. Es ist irgendwie schoen, nach zwei Jahren in eine vertraute Umgebung zurueckzukehren, die einem noch vor gar nicht all zu langer Zeit unglaublich fremd vorkam und festzustellen, dass eigentlich immer noch alles beim alten ist.

Meine Gastfamilie, die Alfanos, haben sich auch ganz gut gefreut. Alle sind eifrig beschaeftigt, mit dem Studium oder in Lohn und Brot. Mein aeltester Bruder, Carlos Gustavo, 31 Jahre jung und immer noch zu Hause wohnend, arbeitet mitlerweile mit der Hauptstadtsregierung zusammen, macht dort irgendwas in der Presseabteilung. Martin betaetigt sich weiterhin als Carpintero (Tischler), und hat in Eigenregie einen kleinen Drei-Mann-Betrieb aufgezogen, mit dem nun das noetige Geld fuer seine baldige Rueckkehr nach Deutschland verdient werden soll. Nebenher studiert er Architektur- kein Plan, wie er das alles hinkriegt. Alejandro, der Freund meiner Schwester Elisa (die beiden heiraten bald), jobbt seit einiger Zeit nebenher im Sheraton als Fotograf. Heute hat er zusammen mit zwei weiteren Journalisten fuer eine Stunde Shakira gelauscht- und Bilder gemacht.

In den letzten Tagen vor meiner Abfahrt nach Argentinien hatte ich ein wenig Angst, dass ich mir die 3 Wochen in Buenos Aires vielleicht ein wenig lang werden koennten. War natuerlich alles etwas uebertrieben.
In Wirklichkeit bin ich staendig unterwegs, pendel zwischen Haus und Downtown.

Morgen geht mein fuenftaegis Praktikum zuende. Seit letzten Donnerstag war ich im Rahmen meiner Vorbereitung auf das Freiwillige Soziale Jahr in Paris in einem "Comedor" taetig. Der Comedor ist eine Art Kindergarten fuer rund 25 Jungen und Maedchen zwischen 3 und 11 Jahren. Organisiert wird das ganze von Jimmy, einem spanischen Priester, der ein guter Bekannter meiner Gastfamilie ist.

Obwohl der Comedor in den angrenzenden Raeumen der Kirche stattfindet, haelt sich der religioese Einfluss auf die Taetigkeiten in Grenzen. Fast alle Kinder kommen aus bitterarmen Verhaeltnissen, nicht selten sind die Eltern "Cartoneros" (Die Personen, die nachts die Strassen passieren und saemtliches Papier zusammen sammeln, um es fuer ein paar Centavos zu verklaufen) oder Strassenverkaeufer. Fuer viele der Kinder gehoeren Beleidigungen und Gewalt zu Hause zum Alltag. Umso schwieriger kann es dann sein, mit diesen Kindern in Gruppen zusammen zu arbeiten.

Am schwersten ist es eigentlich mit den juengsten, der Grupee von 7, 8 Kindern, die zwischen 3 und 5 Jahren alt sind. Im Gegensatz zu ihren aelteren "Kollegen", muessen sie sich erst noch an das Umfeld und den Umgang miteinander gewoehnen. Der erste Tag war schrecklich, staendig fingen die Kleinen an, sich anzuschreien und aufeinander einzupruegeln. Dabei blieb es nicht bei einem kleinen Schubser. Aus heiterem Himmeln ohrfeigten sie sich ploetzlich, stellten sich gegenseitig Beine, mit dem Ergebnis, dass in irgendeiner Ecke meistens einer anfing zu heulen.
Auch wenn es ein ruppiges Umfeld ist, in dem es nochmal ganz anders zu geht, als in einem deutschen Kindergarten- es gibt auch sehr lustige Momente, beinahe ruehrend, wenn sich die aelteren ploetzlich um die juengeren kuemmern, sie troesten, in den Arm nehmen und zur Ordnung rufen. Die Arbeit kann noch so schwierig und frustrierend sein, in solchen Augenblicken kann man konkret erleben, dass sie auch Fruechte traegt. Besser, als dass die Kinder tagsueber auf der Strasse sitzen und betteln, ist es allemal.

Morgen geht es mit der Gruppe ins Planetarium, bin schon ganz gespannt. Dann ist auch erstmal Schluss mit dem Praktikum.

Am Sonntag kommen mein Bruder und meine Mutter aus Deutschland, die warden dann eine Woche hier zu Hause bleiben ( Wir pennen zu dritt um Zimmer meines aeltesten Gastbruders, gut dass der Kerl noch nix von seinem Glueck weiss ;-)  Christian ist am Montag weiter in seine Provinz gefahren. Davor waren wir am letzten Samstag noch weg, um erstmal Abscheid zu feiern (wir sehen uns wohl fuer die naechsten 1 ½ Jahre nicht mehr).

Dabei weilten wir bei einer Veranstaltung von AFS, wo die aktuellen Gastschueler in Buenos Aires verabschiedet wurden. Da waren jeden Menge Freiwillige und Betreuer am Start, ausserdem Freunde, etc., viele kannte ich noch aus meinem Jahr. Um so grosser war da die Freude des Wiedersehens.

Mit dabei war auch Funny, eine 17jaehrige Franzoesin, die fuer ein Jahr zusammen mit der Familie meiner Gasttante gelebt hat. Ich rege mich nicht selten ueber den Geiz auf, den ich und auch andere Austauschschueler waehrend des Jahres hier an den Tag gelegt haben. Aber was die junge Madame abzieht, stellt echt alles in den Schatten. Sie schnorrt sich, wenn man das mal so sagen darf, an alle Ecken und Enden durch.

Dabei wirkt das gerade als Europaerin angesichts der Wirtschaftssituation hier vor Ort in Buenos Aires frech. Etwa, wenn man die Gastfamilie, oder Cousins und Freunde staendig anbettelt, um fuer einen das Taxi, den Bus, das Bier oder den Kinobesuch zu bezahlen. Vor ein paar Tagen kam sie zu meinem Gastbruder Martin mit dem dezenten Hinweis, dass ihr nur noch 50 Pesos (rund 15 Euro) fuer die letzten 2 Wochen blieben, wo sie doch noch reisen wollte. Kurzum: Es ging um Geld, dass er ihr leihen sollte. Wenn sie etwas nicht bekommt, legt  sie einfach ihren Kopf schief, laesst ein huebsches Laecheln uber ihr Gesicht huschen und sagt "Soy francesa.." Und hofft, dass es dann klappt- Arrrgh!

Puh, das war eine ganze Menge, Ich koennte noch so weiterschreiben. Aber das soll´s erstmal gewesen sein. Hoffe, ihr seid noch wach ;-)

Ich wuensche euch allen erholsame und fette Ferien. Man sieht sich dann im August wieder! Un abrazo vom anderen Ende der Welt
Jojo

Caroline 2004/2005

hola!
Ich bin caroline und bin zur Zeit in argentinien.


Nun ist es schon fast ein Jahr her, dass ich meine ganzen unterlagen fuer AFS fertiggemacht habe, zum auswahlwochenende gefahren bin, meine liste mit den 8 laendern zusammengestellt habe ?kurz vor weihnachten bekam ich dann "mein land"?ARGENTINIEN!!! wirklich viel mehr wusste ich dann auch nicht, spanisch also und suedamerika!. Aber "das jahr" erschien mir immer noch so weit weg, ich konnte es mir nicht vorstellen, wusste ja so gut wie nichts von diesem land, den menschen usw. Vier tage dann vor meinem abflug erhielt ich eine mail von meiner zukuenftigen aelteren gastschwester, die mir mitteilte, dass ich nach rosario (grossstadt), am fluss parana kommen und 2 schwestern, vater (ingenieur), mutter (psychologin) und hund haben werde. Mehr wusste ich auch nicht. Dann folgte mein abschiedsfest, letzten tage vorm abflug in HH, ja und dann war es soweit, am 04.08.04 stand ich dann mit meinen nur 20 kg am flughafen, umringt von meien freunden und meiner familie, mit meinem ticket in der hand nach buenos aires. Als ich dann wirklich mit noch 2 anderen austauschschuelern reinging, alle nochmal umarmt hab und alle winkten, konnte ich mir immer noch nicht wirklich vortstellen, dass ich sie nun alle erst in einem jahr in hh wieder sehen werde. Ich glaube, dieser tag war einer der schwereten in meinem leben, hoert sich komisch und vielleicht uebertrieben an, aber so kam es mir vor.auf dem flug nach frankfurt hab ich nur geheult..

in frankfurt waren wir dann 26 aus deutschland, um 22:20 hob dann der flieger ab, 14 std und so kamen wir dann um ca 8 uhr ortßeit in buenos aires an. Nun folgte ein 4 taegiges camp, mit ca 150 jugendlichen aus wirklich aller welt. Anschliessend fuhren oder flogen wir dann weiter in kleinen gruppen in unsere provinzen, staedte. Kurz bevor wir am busbahnhof in rosario ankamen, war ich schon sehr aufgeregt, ich wusste ja so gut wie nichts von meiner gastfamilie, kein foto, nur die wenigen informationen. Aber mein erster eindruck war wirklich gleich positiv!


So, und nun bin ich schon 2 monate von zu hause weg. Meine familie ist mir schon sehr vertraut: meine gasteltern haben eine  farm ca 1 std von der stadt entfernt und arbeiten dort waehrend der woche, deshalb sind wir drei dann allein zu haus, ich hab 2 gastschwestern. Meine aeltere(21) arbeitet tagsueber und abends geht sie zur uni, studiert hotelmanagment, daher seh ich sie waehrend der woche nur selten und dann sehr kurz.sie war, sowie meine gastmutter, mit Afs ein jahr in deh usa. Meine andere gastschwester(17) geht auf die gleiche schule, aber eine klasse ueber mir. Sie will naechstes jahr auch fuer ein jahr ins ausland, wahrscheinlich in europa.

Sie sind alles sehr interessiert von dem was ich von deutschland erzaehle, unsere lebensweise, die sprache, die landschaft, geschichte usw, da faellt mir manchmal auf ,wie wenig ich eigentlich ueber deutschland weiss. Auch die grosseltern, tanten und cousins waren alle sehr offen mir gegenueber und ich mag es gern, wenn wir sonntags immer zur grossmutter mit allen zum mittagessen gehen!

Die stadt ist sehr gross,  erinnert mich oft an suedeyropaeische grossstadte: sehr durcheinander, abgase ueberall, viele menschen, einfach die atmosphaere ist so anders als in hh. Es gibt nur wenig alte haeuser, wenn, dann sind diese nicht besonders gut gepflegt, weil dafuer kein geld da ist. Im zentrum meist hochaeuser, wenn man dann in die andere stadtbezirke kommt, sind es nur schlichte, einfache , kleine haeuser. Ich wohne mitten im zentrum, mit blick auf den riesigen fluss parana und direkt gegenueber dem "monumento de la bandera", wo oft versammlungen mit marschmusik oder andere konzerte stattfinden, leider auch am wochenende ab 9 uhr morgens...

Die armut hier ist ziemlich erschreckend. Ich weiss noch wie ich hier mit dem bus in die stadt reingefahren bin, vorbei an den slums am stadtrand, das war das erste was ich von rosario gesehen habe. diese unterkuenfte kann man nich mal haeuser nennen, das sind gerade mal huetten, aus pappe und wellblech, ganz klien und spaerlich. Wenn man durch die strassen geht sieht man die ganzen kleinen kinder, die einem ihre dreckigen haendchen entgegen strecken und um einen peso bitten, wenn man mit dem auto an einer ampel haellt, fangen kleine kinder an deine scheiben zu wischen oder vor dem fenster zu jonglieren oder aehnliches.

Neulich in der schule haben sie ueber arbeit usw in "recht" gesprochen, wenn ich das richtig verstanden hab ist der mindestlohn pro stunde 3 pesos, das ist nicht mal ein euro!!! Fuer mich ist alles sehr billig, aber ich komm mir immer so schlecht vor, denn die leute hier koennen sich groesstenteils echt nur sehr wenig leisten, staunen immer wieviel ich schon in meinem leben gereist bin usw, denn viele sind noch nie so richtig aus dieser stadt rausgekommen.

Hier faellt man als europaeer nicht so doll auf, haben meist auch helle haut, einige auch blonde haare. Aber trotzdem, wenn ich mit der isaenderin und dem schweden (beide auch von AFS) durch die strassen gehen, drehen sich viele um, wenn wir in einem geschaeft sind und sie unser spanisch hoehern, fragen alle immer total interessiert, woher wir kommen, was wir hier amchen usw. Man wird schon komische sachen gefragt, z.b. ob ich schon mal ein pferd in meinem leben gesehen habe, welche sprache spricht man eigentlich in schweden?, ob wir discos haben, warum ich als deutsches maedchen nicht so gerne bier mag,wie es kommt, dass ich noch nie beim oktoberfest war, und dass doch sicher alle deutschen blonde haare und blaue augen haben (ich bin da ein schlechtes beispiel..)...

Mit der schule hab ich ca 2 wochen nach meiner ankunft angefangen. Es ist eine staatliche schule, die der universitaet angehoert und es soll eine der besten der stadt sein, denn an den privaten soll die bildung dehr schlecht sein. Sie ist auf technik spezialisiert, ganz klasse, interessiert mich alles ueberhaupt nicht. Ich hab so schoene faecher wie maschinenbau (ich weiss nun den unterschied zwischen diesel und benzin motoren...!), technisches zeichnen, natuerlich besonders viel physik, 3 stunden chemie am stueck...englisch unterricht kann man total vergessen, so schlecht, nur lueckentexte und die koennen nach bestimmt 5 jahren kaum einen volstaendigen satz rausbekommen.

ich hab von 7:30 bis meist 13 uhr schule, montags schoen bis 18 uhr, das ist der schlimmst tag. Aber ich ahb mitbekommen dass die meinen namen nicht auf der liste am nachmittag haben,also ist es nicht so schlimm, wenn ich nicht komme...man hat hier pro schuljahr 20 fehltage, einfach so zum ausschlafen oder was weiss ich, ich hab ja den schuljahreswechsel, d.h. 40 tage insgesamt! In den pausen geht man in die "bar", das ist nur so ein schaebiger kiosk, da steht man dann halt rum..die lehrer reden die ganze stunde, die schueler meist auch, nur frontalunterricht, man meldet sich nicht, ruft rein, oder halt nicht. wir sind ca 36 schueler in der klasse, nur 8 maedchen, der rest jungs, kein wunder bei diesen hoechst interessanten faechern! Die meisetn kommen in jogginghose und wirklich den letzten scheissklamotten zur schule, ich komm mir immer n bisschen komisch mit meinen "normalen" sachen vor...Naja, hab nur noch ca 1 monat schule, dann 3 monate sommerferien, da werde ich vielleicht (wir wissen es noch nicht genau) mit meiner gastfamilie nach brasilien fahren!

Weggehen abends ist auch komplett anders, vor 2, 3 uhr ist nix los, in vielen dicos wird techno, fuer mich das schlimmste was es so an musik gibt, gespielt, danach dann meist sachen von hier! Maedchen zaheln in der regel weniger als die jungs...sie tragen so anderes sachen, tanzen anders, ja der ganze" ablauf" ist einfach anders..!

Nach ca 1 monat hat meine gastfamilie mich gleich auf einen reise in den norden des landes gefahren! Wir sind insgesamt 5000 km in nur knapp 10 tagen gefahren, ich hab so viel gesehen...Berge, in wirklich allen moeglichen farben, stundenlang nichts, nur gerade aus gefahren auf schotterstrassen, keine anderen autos, doerfe, nichts!dann aendert sich die landschaft, weinplantagen, oliven und wallnussbaeume, dschungelartige waelder, so unterschiedlich! Ausserdem hab ich gesehen, wie anders das leben und die menschen dort sind.sie sehen viel indianischer aus, leben in doerfern, die oft nur aus ein paar hauesern (eher gesagt huetten aus lehm und strohdach) mittem im nichts, so einfach und urspruenglich. Sie waren alle sehr offen und herzlich! Ich hab einen eindruck von diesem riesen land bekommen, ungefahr sieben  mal so gross wie deutschland, mit so wenig einwohnern...und das ist ja nur ein kliener teil, den es zu sehen gibt...da sind ja noch die wasserfaelle, gletscher im sueden und so viel mehr..ich darf aber erst nach 6 monaten alleine reisen, vorher laesst Afs uns hier nicht.

Wir sind  8 austauschschueler aus 6 verschieden laendern, haben zusammen 2 mal die woche spanisch-unterricht, gehen zusammen manchmal weg, und zur zeit bin ich sehr froh, dass sie hier sind, denn ich kann noch nicht so viel mit den leuten in meinem alter hier anfangen, ich finde die meisten, ohne jetzt eingebildet zu klingen, noch sehr kindlich, sie rdeen ueber so andere dinge, interessiern sich fuer komplett andere sachen, kann mitçr momentan noch nicht so richtig vorstellen, hier freunde zu finden...

Mein spanisch ist so naja, hatte nichts vorher gelernt, kann mich nun so einigermassen nach meinen 2 monaten verstaendigen, ist halt noch sehr holperig. Hatten neulich ein Afstreffen mit allen familien, freiwiligen usw, da mussten wir uns natuerlich vorstellen, ueber unser land, unsere familien, unseren eindruck von argentinien usw erzaehlen, das klappte erstaunlich gut...da ist mir wieder aufgefallen, wie besonders viele irgendwie von afs sind.ich weiss nicht wie ich das beschreiben soll, aber aber es sind doch immer sehr interessante und interessierte menschen!und das anscheinend auf der ganzen welt...

Was ich bis jetzt wirklich anders finde?
Die essenzeiten, man isst abends erst gegn 21, 22, 23 uhr, dann warm und sehr viel, sehr gewoehnungsbeduerftig. der verkehr, zebrastreifen oder so spielen gar keine rolle, fussgaenger muesen immer warten, die autos fahren wie sie wollen. Ich glaub niemand hier hat so richtig eine art umweltbewusstsein, die stadt ist sooo dreckig, sie lassen stundenlang das wasser laufen, keinerlei muelltrennung...die menschen sind offener und freundlicher (gegenueber auslaendern, aber ueberhaupt..), viele menschen suchen eher loesungen als immer nur die probleme zu sehen, achja, und sie sind meist sehr unpuenktlcih..ja, aber ich bin ja noch nicht so lange da!

Obwohl ich eine sehr nette gastfamilie hier habe und ich darueber sehr froh bin, und es mir ja nicht wirklich "schlecht" geht, vermisse ich meine freunde, familie, hh noch sehr. Ich haette nicht gedacht,m dass es so schwer ist, man faengt wirklich ein komplett neues leben an, bzw man muss sich ein kopmlett neues leben aufbauen. Zur zeit finde ich es noch nicht "sooo toll, beste zeit meines leben...", wie einem immer von den returnees  berichtet wird. Aber das braucht halt seine zeit, bis ich mich hier so richtig eingelebt habe, mich an die leute gewohnt habe und dann hoffentlich auch freunde finde.ausserdem hatte ich mir das spanisch lernen leichter vorgestellt.aber, heute nacht habe ich das erste mal ein bisschen in spansich getraeumt, das ist doch schon mal was...!

Das waers von mir bis jetzt, ich lasse wieder von mir hoeren...einen ganz lieben gruss aus argentinien...
Caroline